Kein radioaktiv belasteter Müll aus AKW und Atomanla­gen auf Deponien und in Müllverbrennungsanlagen

BBU-Pressemitteilung

23.08.2017

bbu

BBU veröffentlicht unbekannte Standorte und fordert Morato­rium: Kein radioaktiv belasteter Müll aus AKW und Atomanla­gen auf Deponien und in Müllverbrennungsanlagen

(Bonn, Berlin, 23.08.2017) Mehr als 40 Städte und Gemeinden sind bundesweit von der Lagerung oder Verbrennung von radioaktivkontaminiertem Müll betroffen. Das hat der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) nach intensiven Recherchen herausgefunden. Der BBU fordert ein Moratorium bei der Freigabe von radioaktiv belastetem Abfall aus Atomanlagen und eine Neubewertung der Abgabe von radioaktiven Stoffen aus Atomanlagen, aus der Industrie, der medizinischen Nutzung und ggf. weiteren Quellen. Eine zusätzliche Gesundheitsgefährdung der Menschen durch die Verteilung von radioaktiven Stoffen muss vermieden werden.

In vielen Bundesländern wird radioaktiv kontaminierter Müll deponiert, verbrannt und zur freien Verwertung abgegeben. Die Bevölkerung ist darüber oft nicht informiert und selbst die Behörden haben keinen umfassenden Überblick über den Verbleib der strahlenden Reste der Atomindustrie. Aktuell wird besonders in Baden-Württemberg und in Schleswig-Holstein über den Verbleib „freigemessener“ Materialien diskutiert. Betroffene Bürgerinnen und Bürger protestieren und gründen Bürgerinitiativen. In Baden-Württemberg sind acht Kommunen betroffen, in Brandenburg sechs und in Sachsen fünf. In fast allen Bundeslän­dern sind entsprechende Deponien oder Verbrennungsanlagen, so z. B. auch inNordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen.

BBU stellte Anfragen an die Atomaufsichtsbehörden der Bundesländer 

Im Rahmen des Umweltinformationsgesetzes (UIG) hat der BBU Anfragen zum„freige­messenen“ Müll an die Atomaufsichtsbehörden der Bundesländergerichtet. Die Informati­onen, die von den Behörden mitgeteilt wurden, hat der BBU ausgewertet und in einer Ta­belle zusammengestellt, die mitdieser Pressemitteilung erstmals veröffentlicht wer­den. Alle Details unter http://bbu-online.de

Direktlinks:

Erläuterungenhttp://bbu-online.de/AK%20Energie/Aktuelles%20AK%20Energie/Deponietabelle%202017/Deponietabelle%20August%202017%20-%20Erlaeuterungen.pdf

Standorttabelle

http://bbu-online.de/presseerklaerungen/BBU-Deponietabelle%202017.pdf

Der BBU will damit einen Schritt in Richtung Transparenz tun und fordert, dass die Atombehörden dem Beispiel des weitgehend ehrenamtlich arbeitenden Umweltverbandes folgen.

Bisher gibt es keine Lösung für die langfristige Aufbewahrung der nuklearen Hinterlassen­schaften aus der Atomtechnik. Meist wird bei demThema an hochradioaktive Brennele­mente in Castor-Behältern gedacht, die sich in den „Zwischen“-Lagernder Atomkraftwerke befinden. Um die Mengen für diese kostenträchtige Aufbewahrung aller Atommüllmengen möglichst gering zu halten, soll ein großer Teil der Materialien aus Atomanlagenzu „nor­malem“ Müll umdeklariert werden. Dazu wird auf der Basis des §29 der Strahlenschutz­verordnung die sogenannte Freigabe durchgeführt. Dies bedeutet, dass Materialien, deren radioaktive Belastung einegewisse Grenze unterschreitet, „freigemessen“ werden und dann an Deponien, Müllverbrennungsanlagen oder zum Recycling abgegeben werden.

Forderung des BBU: Völlige Transparenz beim Umgang mit den nuklea­ren Hinterlassenschaften 

Der BBU lehnt zum Schutz der Bevölkerung und der Umwelt die Freigabe von radioaktiv belasteten Abfällen aus Atomanlagen ab und fordert, dass die bisherigen Freigabegenehmigungen aufgehoben werden. Alle radioaktiv belasteten Abfälle sollen am jeweiligen Standort aufbewahrt werden, bis klar ist, wie viel nach dem Abbau aller Atom­anlagen insgesamt anfällt und ein Konzept für die weitere Aufbewahrung erstellt werden kann. Weiter erwartet der BBU von den zuständigen Behörden völlige Transparenz beim Umgang mit den nuklearen Hinterlassenschaften. Dazu gehört auch die Offenlegung der Information über Mengen und Verbleib von radioaktiv belastetem Abfall.

Ergänzungen und weitere Hinweise zu Deponien und Müllverbrennungsanlagen können dem BBU gerne unter bbu-bonn@t-online.de<mailto:bbu-bonn@t-online.de> oder 0228-214032 (Postanschrift: BBU,Prinz-Albert-Str. 55, 53113 Bonn) mitgeteilt werden.

Zudem können sich Bürgerinitiativen sowie interessierte Einzelpersonen, die sich im Bereich von betroffenen Deponien und Verbrennungsanlagen engagieren wollen, zur Vernetzung beim BBU melden.

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