BI Umweltschutz: Ist das Abfalllager Gorleben gegen Flugzeugabsturz gesichert?

Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow – Dannenberg e.V.
Rosenstr. 20
29439 Lüchow

Pressemitteilung 27.08.2018
antiatom castor
Eine Boeing kracht auf das Zwischenlager in Gorleben. Die Castor-Behälter würden dem Aufprall standhalten, die Halle spiele angeblich bei der Sicherung keine Rolle, so wird die Öffentlichkeit beschwichtigt. Seit dem 11. September 2001, dem Terrorschlag gegen die TwinTowers in New York, drängen Anti-Atom-Initiativen darauf, das „Sicherungskonzept“ der Zwischenlager unter die Lupe zu nehmen. Mit zweifelhaftem Erfolg, denn eine teilweise Umhausung der Lager in Ahaus und Gorleben mit einer Mauer, wie sie jetzt, 17 Jahre später (!), geplant  ist, ist keinSchutz gegen das, was von „oben“ kommt.

Doch in Gorleben steht nicht nur die Castorhalle, nebenan steht ein Abfalllager für schwach- und mittelaktive Abfälle, das hin und wieder für Schlagzeilen sorgte, weil dort angerostete Gebinde gefunden worden. Wenn jedoch ein Flugzeug auf diese Halle knallt, was dann?

Im Frühjahr, auf einer öffentlichen Ratstagung in Meetschow, meinten die Vertreter der bundeseigenen Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) zunächst, für das Abfalllager gäbe es keine Berechnungen, korrigierten sich dann jedoch gegenüber der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI) und sorgten selbst dafür, dass der BI seitens des niedersächsischen Umweltministeriums eine Stellungnahme des TÜV-Nord aus dem Jahr 1980 vorgelegt wurde, die einen Flugzeugabsturz auf das Abfalllager für unwahrscheinlich und die Ausbreitung einer radioaktiven Wolke in östlicher Richtung für unbedeutend hält. Das war damals das grüne Licht für die Inbetriebnahme. Unklar ist, ob überhaupt jemals eine neue, modernisierte Expertise erstellt wurde.
Schon das erste Kapitel der TÜV-Stellungnahme gibt Anlass zu einer Neubewertung: militärische Übungsflüge würden dort normalerweise nicht erfolgen, weil der Standort in der Flugüberwachungszone (ADIZ) liege. „Das war einmal, seit der Wiedervereinigung gibt es diese Überwachungszone nicht mehr und regelmäßig fliegen Militärmaschinen die Atomanlagen in Gorleben an und nutzen diese als Wendepunkt“, kritisiert die BI.
Äußerst dubios seien alle Aussagen zum radioaktiven Inventar, das im Jahr 1980 überhaupt nicht bekannt sein konnte, weil der Einlagerungsbetrieb erst 1984 aufgenommen wurde. Der TÜV hingegen schrieb seinerzeit zur Strahlenexposition nach einem Flugzeugabsturz: „Diese Exposition kann durch eine einmalige Vernichtung der Ernte bzw. Produkte im betreffenden Gebiet vermieden werden. Wir beziehen daher diesen Beitrag nicht in die Bewertung ein.“

Eine mögliche Umgebungskontamination sei in seine Dauer nicht zu unterschätzen, weil in Deutschland Atommüll nicht sortiert wird nach Halbzeitwerten. Hierdurch können Plutonium und Uran, als langlebige Geringstrahler, vorhanden sein. Eine Kontamination wird insbesondere bei den hier verbreiteten lockeren bis sandigen Böden auch nach Jahren durch aeolische Erosion (Wind) aufgewirbelt und erneut auf Pflanzen abgelagert. Das hätte eine dauerhafte Wiederholung der Erntevernichtung zur Folge, hält die BI dagegen. BI-Sprecher Wolfgang Ehmke: „Die Atomaufsicht in Hannover ist deshalb aufgefordert, von der BGZ eine Neubewertung einzufordern. Solange es keine moderne und realistische Störfallbewertung gibt, ist der laufende Einlagerungsbetrieb zu unterbinden.“

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