Schlagwort: Atomanlagen

Neckar: „Blindflug“ Castor-Transport

Pressemitteilung Bündnis Neckar castorfrei
https://neckar-castorfrei.de

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Polizei missachtete beim dritten Transport alle Sicherheitsregeln

Voraussichtlich Dienstag 17.10.17 leere Castoren nach Obrigheim und Donnerstag
19.10.17 Rückfahrt der leeren Schiffe nach Neckarwestheim

Castoren enthalten den gefährlichsten Müll, den die Menschheit kennt:
hochradioaktiven, langfristig heißen und Millionen Jahre lang strahlenden,
tödlichen Atommüll.
Dass die Polizei am 11.10.17 nach dem dritten Castor-Transport auf dem Neckar
banal nur von „ausgedienten Brennelementen“ schreibt, steht symptomatisch für
das Bündel haarsträubender Schlampereien bei diesem Transport.

In Fachkreisen gelten „EVA“ und „SEWD“ als die ganz großen, kaum beherrschbaren
Risiken von Castor-Transporten: das sind „Einwirkungen von außen“ und
„Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter“, also insbesondere die
Möglichkeit gezielter Anschläge auf die Transporte mit Zerstörung eines Castors.
Besonders verletzlich sind dabei die langsamen Schiffstransporte, und das in
extremer Form bei den Wendemanövern und beim Schleusen. Die „EVA“ und „SEWD“
betreffenden Teile der Genehmigung sind geheim und damit einer öffentlichen
Beurteilung entzogen. Das reale Handeln der Polizei beim Transport dagegen
spricht eine deutliche Sprache:
die Polizei ist entweder unfähig oder unwillig, auch nur elementare Maßnahmen
zur Sicherung der Castor-Transporte vor gefährlichen Einwirkungen zu erledigen.

Hierzu einige Beobachtungen:

– Die Polizeipräsenz wurde beim dritten Transport massiv verringert, war sogar
schwächer als bei der Leerfahrt vor dem zweiten Transport.

– Der dritte Transport startete im Dunkeln.

– Das waghalsige Wendemanöver vor der Schleuse Guttenbach fand ebenfalls im
Dunkeln statt, das Castor-Schiff hatte dabei nur wenig Abstand zum Ufer.

– Brücken wurden viel zu spät für den Autoverkehr gesperrt und viel zu früh
wieder freigegeben.
Z.B. durften bereits wieder Autos und LKWs über die Otto-Konz-Brücke in
Heilbronn fahren, als das Castor-Schiff noch in der direkt anschließenden
Schleusenkammer befand.

– Die Autobahnbrücke über den Neckar bei Heilbronn wurde überhaupt nicht gesperrt.

– Die Polizei hat die Flussufer entlang der Strecke nicht unter Kontrolle und
ließ den Transport durchgängig auch dort fahren, wo Menschen direkt am Ufer waren.

– Sowohl bei der Verkehrsregelung als auch im Umgang mit den Protestaktionen
zeigte sich bei allen drei Transporten ein Kompetenzwirrwarr und
Kommunikationschaos bei der Polizei. Schon allein die Tatsache, dass bei
Gundelsheim die südliche Hälfte von Neckar und Brücke zum badischen Landkreis
NOK und die nördliche Hälfte zum württembergischen Landkreis HN gehören, führte
zu Verzögerungen in den Polizeimaßnahmen.

– Die Polizei brauchte 25 Minuten, um die schwimmenden Robin
Wood-DemonstrantInnen aus dem Wasser zu holen. Was wäre gewesen, wenn das nicht
politischer Protest gewesen wäre, sondern wenn statt dessen kriminelle oder
terroristische Angreifer im Wasser gewesen wären?

– Die Polizei ließ den Transport unter der Brücke der Schleuse Gundelsheim
hindurch fahren und dann in die Schleusenkammer einsperren, obwohl noch
angekettete DemonstrantInnen direkt oberhalb davon auf der Brücke waren, die z.
B. jederzeit leicht ihre Rucksäcke auf das Schiff hätten werfen können. Was wäre
gewesen, wenn das nicht politischer Protest gewesen wäre, sondern wenn statt
dessen kriminelle oder terroristische Angreifer auf der Brücke gewesen wären?

– Beim Brücken-Protest hat die Polizei das Castor-Schiff sogar unter zwei ihr
unbekannten Autos hindurch fahren lassen. Die Autos wurden wie die Rucksäcke
erst durchsucht, als das Castor-Schiff längst weiter gefahren war, und die
Polizei hat die Autos sogar aktiv auf der Brücke festgehalten, statt sie aus dem
möglichen Einwirkungsbereich auf den Transport wegfahren zu lassen. Was wäre
gewesen, wenn die Autos nicht Teil des politischen Protests gewesen wären,
sondern Mittel eines kriminellen oder terroristischen Anschlags?

– Offensichtlich konzentriert sich die Polizei nur auf die Behinderung des
politischen Protests und vergisst komplett die Sicherung der Transporte vor den
tatsächlichen Gefahren.

– Die Zeitverzögerung des drittens Transports, der durch die Protestaktionen bei
Gundelsheim etwa 45 Minuten lang aufgehalten wurde, wurde durch Langsamfahrt
zwischen Neckarzimmern und Gundelsheim verschleiert. Dieses falsche Ziel, den
Transport unbedingt als unbeeinflusst erscheinen zu lassen, ist wohl die
Erklärung für die o. g. unverantwortliche Entscheidung der Polizei, den
Transport durch die Schleuse Gundelsheim zu schicken, obwohl die Brücke nicht
frei war.

– In Heilbronn und Lauffen setzte die Polizei Flugdrohnen in verbotenen
Bereichen am Fluss und über Menschenansammlungen ein und gefährdete damit selbst
den Transport und die Menschen.

Kritische Anmerkungen zur Strahlung der Transporte:

EnBW, Umweltbehörde LUBW und Umweltministerium Baden-Württemberg verschleiern
und verharmlosen die massive Gamma- und Neutronenstrahlung, die von den
Castor-Transporten ausgeht. Es mag sein, dass die Strahlung noch im gesetzlich
erlaubten und von den Verantwortlichen erwarteten Bereich liegt, aber trotzdem
ist sie auffällig und stark erhöht.

Die amtlichen Messungen der LUBW zeigten z.B. beim ersten Transport bei der
Schleuse Horkheim eine Erhöhung der Neutronenstrahlung während des Transports
auf das 18,8-fache! (Im Rahmen der von der LUBW angegebenen Messungenauigkeit
könnte es sogar ein Vervielfachungs-Faktor von bis zum 75-fachen sein).
Zu Erinnerung: es gibt für radioaktive Strahlung keine sicheren Grenzwerte. Und
selbst vermeintlich niedrige zusätzliche Strahlendosen kommen noch zur sonstigen
Strahlenbelastung als zusätzliche Gefährdung hinzu. Die Grundsätze des
Strahlenschutzes und das Recht auf körperliche Unversehrtheit verlangen, alle
zusätzlichen Gefährdungen so gering wie möglich zu halten. Das geschieht aber
bei diesen Castor-Transporten nicht. EnBW, Transportfirma DAHER,
Umweltministerium, Bundesamt BfE und Polizei versagen.

– Transportpersonal und Polizei lassen elementare Maßnahmen zum Selbstschutz
gegen Strahlung vermissen: unverantwortlich!

– Die Bevölkerung wird von den Behörden nicht vor der Strahlung gewarnt (ebenso
wenig wie vor den anderen Gefahren der Transporte): unverantwortlich!

– Die Polizei schickt noch nicht einmal Kinder von Ufer weg: unverantwortlich!

– Alle Mitteilungen der EnBW und der Behörden verharmlosen die zusätzliche
Strahlung („keine Auffälligkeiten“): unverantwortlich!

– Nach dem ersten Transport veröffentlichte das Umweltministerium zwar die
(erhebliche) Strahlendosis für den Schiffsführer, verharmloste diese aber
zugleich und verschwieg, dass andere Transportbegleiter viel näher an den
Strahlungsquellen waren: unverantwortlich!

– Die Gefahrgut-Kennzeichnung des Castor-Schubverbandes mit 2 blauen Kegeln bzw.
Lampen reicht zur Warnung der Bevölkerung nicht aus, es fehlen auch auf
Entfernung gut sichtbare Radioaktivitäts-Zeichen: unverantwortlich!

– Menschen in der Nähe des Transports werden nicht darüber informiert, was die
Alarmlampen der Autos auf dem Schubleichter und das Öffnen und Schließen der
Lüftungslamellen der Castoren-Garage auf dem Schubleichter zu bedeuten haben:
unverantwortlich!

– Wir konnten auch beim dritten Transport wieder beobachten, dass sich das
Mess-Personal der LUBW wenig Mühe macht, die Messung abschwächende Faktoren
gering zu halten (Mauern und Metallgegenstände im Messweg, unnötig lange
Messwege durch das Wasser usw.): unverantwortlich!

– Umweltminister Untersteller propagiert, Castor-Transporte künftig überwiegend
per Schiff durchzuführen: unverantwortlich!

– Auch andere Atom-Transporte sollen künftig auf dem Fluss erfolgen, z. B. im
Pendelverkehr zwischen AKW Philippsburg und AKW Neckarwestheim sowie Transporte
von strahlendem AKW-Abrissmüll zur Wiederverwendung im Tief- und Hochbau:
unverantwortlich!

Heute werden die noch leeren Castoren Nr. 11 und 12 (für den vierten Transport)
und Castor Nr. 13 (für den fünften Transport) in Neckarwestheim auf das
Transportschiff gerollt, und voraussichtlich morgen geht deren Fahrt nach
Obrigheim. Dort hat inzwischen die Beladung des Castors Nr. 10 mit den tödlichen
Brennelementen begonnen. Voraussichtlich am Donnerstag fahren die Schiffe leer
zurück auf ihre Parkposition in Neckarwestheim.
Wir lehnen alle diese Vorbereitungen für die weiteren Transporte ab!

Unsere Forderungen gehen noch entschieden weiter:

– sofortiger Stopp der weiteren Atommüllproduktion in Neckarwestheim und
Philippsburg!

– jeder AKW-Betrieb direkt neben einem Castoren-Lager muss sofort verboten werden!

– die seit dem 11.9.2001 und seit dem 11.3.2011 bekannten zusätzlichen
Sicherheitslücken an den Atomstandorten müssen endlich geschlossen werden!

– Stopp der AKW-Abbauarbeiten in Obrigheim, bis die dortigen Brennelemente
endlich in einer Hochsicherheitshalle dort untergebracht sind!

– 2046, also in 29 Jahren, werden das Castoren-Lager in Neckarwestheim und die
ältesten Castoren dort ihre berechnete Haltbarkeit überschreiten und ihre
Genehmigung verlieren. Wahrscheinlich werden die ersten Schäden schon vorher
auftreten. Kein Mensch weiß, wie es dann weitergehen soll. Die Politik entlässt
die EnBW in Kürze aus der Haftung, hat aber selbst keine Lösung. Dieses
brennende Problem muss heute angegangen werden, nicht erst 2046!

– keine Obrigheimer Castoren in ein Lager, dessen Genehmigung schon in 29 Jahren
ausläuft!

– Schutz der Matrosen, des Begleitpersonals und der Polizisten auf dem
„Lastdrager 40“ und den direkt begleitenden Booten vor der erheblichen Gamma-
und Neutronenstrahlung der Castoren!

– ehrliche Information der Bevölkerung über die von den Castoren beim Transport
ausgehende Strahlenbelastung, nachvollziehbare Messungen der LUBW ohne
Verfälschungen durch Schleusenkammern, schräge Messwinkel usw.!

– klare Information der Öffentlichkeit über Ort, Dauer und Gestaltung der
„Bereitstellungslagerung“ der Castoren in Obrigheim!

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‚Lieber aktiv als radioaktiv‘: Perspektiven auf die transnationalen Ursprünge der Anti-Atom-Bewegung

 

Heinrich-Böll-Stiftung

Donnerstag, 26. Oktober 2017, 19 Uhr

Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr. 8, 10117 Berlin-Mitte

 

Buchvorstellung mit

  • Dr. Andrew S. Tompkins, Universität Sheffield Dr. Stephen Milder, Universität Groningen
  • Kommentar: Dr. Jan-Henrik Meyer, Universität Kopenhagen / ZZF Potsdam
  • Moderation: Dr. Marianne Zepp, Heinrich-Böll-Stiftung

 

Für die Bundesrepublik der 70er Jahre war die Anti-Atom-Bewegung eine der größten Protestbewegungen mit weitreichenden Folgen für das demokratische Selbstverständnis. Sie mobilisierte auf lokaler, kommunaler und regionaler Ebene und erreichte schließlich mit dem Einzug der GRÜNEN in die Parlamente die offizielle politische Ebene.

Zugleich war die Anti-Atom-Bewegung nicht auf die Bundesrepublik beschränkt, sondern über ganz Westeuropa verbreitet. Die Aktivist/innen gegen die Atomkraft tauschten sich über Grenzen hinweg aus, übten ähnliche Praktiken des Widerstandes aus und entwickelten ein Gegenexpertentum, um das staatliche Entscheidungsmonopol über Standorte und Sicherheitstechnologien zu konterkarieren.

Die Geschichtswissenschaft hat sich längst dieser größten der neuen sozialen Bewegungen als Forschungsfeld angenommen. Die Historiker/innen ziehen hierzu Zeitzeugen zu Rate und untersuchen die ?oft transnationalen ? Netzwerke und Strukturen der Bewegung. Dabei ergründen sie nicht nur die Beweggründe, und Ziele, sondern auch die vielfältigen gesellschaftlichen und politischen Wirkungen dieser Bewegung im europäischen Vergleich.

Die zwei wichtigsten Neuerscheinungen zu diesem Thema stellen wir vor:

 

Dr. Andrew S. Tompkins, Lecturer, Universität Sheffield und Dr. Stephen Milder, Assistant-Prof., Universität Groningen,

präsentieren:

Andrew S. Tompkins,

Better Active than Radioactive. Anti-Nuclear Protest in 1970s France and West Germany.

Oxford University Press 2016.

(https://global.oup.com/academic/product/better-active-than-radioactive-9780198779056?cc=de&lang=en&)

 

Stephen Milder,

Greening Democracy. The Anti-Nuclear Movement and Political Environmentalism in West Germany and Beyond, 1968-1983, Cambridge University Press 2017.

(https://www.cambridge.org/core/books/greening-democracy/076029CAF3D1F758AB6542A02965EB80)

atomstopp/PLAGE: EURATOM als zentrales Thema bei Gespräch mit Alexander Van der Bellen

Presseaussendung von atomstopp_oberoesterreich am 03.10.2017
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Atomgegner_innen am 5. Oktober zu Besuch in der Präsidentschaftskanzlei

„Wir freuen uns sehr, dass wir für Donnerstag, 5. Oktober 2017 endlich das lang anvisierte Gespräch mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen fixieren konnten! Mit ihm haben wir zweifelsfrei einen Atomkraftgegner ohne Wenn und Aber zum Bundespräsidenten und somit einen Verbündeten auf höchster Staatsebene! Und genau das wollen wir nutzen!“, so Gabriele Schweiger und Roland Egger, Sprecher von atomstopp_oberoesterreich und Heinz Stockinger, Obmann der Salzburger PLAGE, zu dem diese Woche Donnerstag bevorstehenden Besuch von Anti-Atom-Organisationen bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen.

„Als persönlicher Unterzeichner unseres EURATOM-Volksbegehrens aus 2011 erhoffen wir uns von Alexander Van der Bellen ein b esonders offenes Ohr für dieses Thema. 2017 bietet einen wichtigen Reflexionszeitraum für die generelle Frage, ob eine Institution wie EURATOM einer zeitgemäßen Europäischen Union nicht vielmehr schadet, als sie ihr je genutzt hat! Seit 60 Jahren sichert der Vertrag der Atomindustrie in Europa einen Status, den sie nach allen Faktoren der Wirtschaftlichkeit nie und nimmer haben könnte! Wir wollen eine Entmachtung, eine Entprivilegierung der Atomindustrie erreichen!“, umreißen Schweiger und Egger ihr Thema für das Gespräch.

„Wir haben Ideen zu einem echten Entwicklungsimpuls – für eine Europäische Union ohne demokratiefeindliche Fußfessel EURATOM-Vertrag! Diese Ideen möchten wir dem überzeugten Europäer Van der Bellen auseinandersetzen und mit ihm diskutieren. Mit der Resolution zur EURATOM-Auflösung, die auf Initiative von atomstopp unter Mitwirken internationaler Expert_innen heuer im Frühjahr verabschiedet werden konnte, legen wir einen formidablen Lösungsansatz vor, wi e alle relevanten Bestimmungen zum geregelten Umgang mit Radioaktivität und den Folgen ihrer Nutzung gewahrt bleiben können, gleichzeitig das Förderziel des EURATOM-Vertrags, nämlich ‚[…] alle Voraussetzungen für eine mächtige Atomindustrie in Europa zu schaffen […]‘ mitsamt all den anderen Privilegien für Atomkonzerne in Europa dorthin entsorgt werden kann, wo es hingehört: auf den Schrotthaufen der Geschichte!“, schließen Schweiger, Egger und Stockinger motiviert.

Lingen: Protest gegen Atomkraft während der Rede von Kanzlerin Merkel

BBU-Pressemitteilung, 14.09.2017

anti-atom

(Bonn, Lingen, 14.09.2017) Die umstrittenen Atomanlagen in Lingen
bleiben weiter in der Diskussion. Am Rande der Wahlkampfrede von
Bundeskanzlerin Angela Merkel haben am Mittwoch (13.9.2017) in Lingen
Anti-Atomkraft-Initiativen aus Niedersachsen und aus Nordrhein-Westfalen
die sofortige Stilllegung des AKW Lingen 2 sowie der Lingener
Brennelementefabrik und der Urananreicherungsanlage In Gronau gefordert.
Der Arbeitskreis Umwelt Schüttorf hatte eine Mahnwache organisiert, mit
der auch gegen den Export von Brennelementen aus Lingen für
Atomkraftwerke in Belgien, Frankreich und anderswo demonstriert wurde.
Zudem forderten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der
Protestveranstaltung das generelle Verbot und die Vernichtung aller
Atomwaffen.

Bereits am Samstag (9.9.2017) hatten in Lingen rund 500 besorgte
Bürgerinnen und Bürger für den sofortigen und internationalen
Atomausstieg demonstriert. Und am Dienstag (12.9.2017) haben
Umweltgruppen und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)
bei einem Anhörungstermin in Lingen ihre Einsprüche gegen die weitere
Nutzung von Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal für den Weiterbetrieb des
AKW Lingen 2 ausführlich begründet.

Ein weiterer Erörterungstermin zur zukünftigen Nutzung des Speichersees
bei Geeste für den Weiterbetrieb des AKW Lingen 2 beginnt am 18.
September 2017 (Montag) um 10 Uhr in der Halle IV in Lingen,
Kaiserstraße 10 a. Der Termin ist nicht öffentlich, es können nur
Personen teilnehmen, die Einsprüche oder Stellungnahmen bei der
Genehmigungsbehörde eingereicht haben. Der BBU weist aber darauf hin,
dass eine Teilnahme auch mit Vollmachten ermöglicht werden kann. Wer
sich von dem AKW Lingen 2 und von den Auswirkungen der wasserrechtlichen
Genehmigungen betroffen fühlt, kann sich zum Informationsaustausch bei
BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz unter 02562-23125 oder
udo.buchholz@bbu-bonn.de <mailto:udo.buchholz@bbu-bonn.de>, sowie beim
BBU in der Geschäftsstelle unter 0228-214032 melden.

Hintergrundinformationen zu den Erörterungsterminen in Lingen:

http://bbu-online.de/presseerklaerungen/prmitteilungen/PR%202017/13.09.17.pdf

.ausgestrahltNews | Film ab: AKW Gundremmingen off!

.ausgestrahlt-Newsletter
14. September 2017
es schreibt Angela Wolff

Lesen, handeln und weiterschicken!

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Liebe/r Anti-Atom-Aktive,

die Bundestagswahl rückt näher. Spätestens jetzt sollten die Politikerinnen und Politiker, die in der kommenden Legislaturperiode umweltpolitische Verantwortung für dieses Land übernehmen wollen, eine Sache auf dem Zettel haben: Das endgültige Abschalten des Atomrisikos von Gundremmingen! Beide Reaktoren, B und C, müssen in 2017 vom Netz genommen werden, lautet die Botschaft, zu der .ausgestrahlt in Zusammenarbeit mit dem Umweltinstitut München und der IPPNW jetzt auch einen Film gemacht hat.

Als Newsletter-Leser*in gehörst Du zu den ersten, die den einminütigen „B-und-C-Abschalten“-Clip zu sehen bekommen und ihn dann hoffentlich mit vielen Menschen teilen. Die Premiere ist nämlich genau jetzt hier.

Stopp! – bevor Du Dir den Film ansiehst, nimm Dir doch bitte noch kurz Zeit für

weitere aktuelle Informationen in diesem Newsletter:

1. Großbuchstaben-Aktion vor dem AKW Gundremmingen am 17. September
2. Jochen Stay erhält den Nuclear-Free Future Award
3. Dritter Castor-Transport auf dem Neckar
4. Gefälschte Sicherheitsnachweise: Welche Atomanlagen sind betroffen?
5. Neu im .ausgestrahlt-Webshop
6. Blick über den .ausgestrahlt-Tellerrand

Herzliche Grüße

Angela Wolff
und das ganze .ausgestrahlt-Team
1. Großbuchstaben-Aktion vor dem AKW Gundremmingen am 17. September

„Große Worte“ sind zu Wahlkampfzeiten nicht selten. Am 17. September kommen sie aber in ganz besonderer Form und nicht aus den Mündern von Politiker*innen. Mit einer pressebegleiteten Protestaktion vor dem AKW Gundremmingen lenken .ausgestrahlt, das Umweltinstitut München und die Mahnwache Gundremmingen die Aufmerksamkeit ein weiteres Mal auf das, was laut Umfrage die absolute Mehrheit der Bayer*innen fordert: AKW Gundremmingen abschalten! Wenn Du am Sonntagvormittag in der Gegend bist, komm doch vorbei. Die Aktion startet gegen 11.30 Uhr und wird ca. eine Stunde dauern.
2. Jochen Stay erhält den Nuclear-Free Future Award

Das .ausgestrahlt-Team jubelt, denn Jochen Stay wird morgen in Basel mit dem Nuclear-Free Future Award (NFFA) ausgezeichnet. Jochen erhält den Preis in der Kategorie „Besondere Anerkennung“. Der Nuclear-Free Future Award wird seit 1998 weltweit an Menschen verliehen, die sich erfolgreich für eine Welt ohne Atomwaffen und Atomenergie einsetzen. Die Preisverleihung ist öffentlich und beginnt um 18.30 Uhr im Kollegienhaus der Universität Basel. Hier die .ausgestrahlt-Presseerklärung dazu, auch mit Infos zum NFFA 2017 und zu den weiteren Preisträger*innen.

Und falls Du den (undotierten) Preis für Jochen noch aufwerten möchtest, kannst Du hier – wenn Du es noch nicht bist – Förderin oder Förderer von .ausgestrahlt werden.
3. Dritter Castor-Transport auf dem Neckar

Der dritte von insgesamt fünf geplanten Castor-Transporten auf dem Neckar wird voraussichtlich in der ersten Oktoberhälfte stattfinden –  sehr wahrscheinlich wieder an einem Mittwoch. EnBW hat vorgestern bereits drei leere Castorbehälter zur Beladung nach Obrigheim verschiffen lassen. Das Beladen dauert ca. zwei bis drei Wochen. In der vergangenen Woche wurde der zweite Castor-Transport erneut von Protesten begleitet und diese fanden viel Beachtung in den Medien.
4. Fehlende Sicherheitsüberprüfungen: Welche Atomanlagen sind betroffen?

Ein Angehöriger der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN) hat über Jahre hinweg bewusst Sicherheitsunterlagen von Mitarbeiter*innen manipuliert. Im .ausgestrahlt-Blog kannst Du nachlesen, wie es möglich sein konnte, dass Personen ohne behördliche Zuverlässigkeitsüberprüfung in sensiblen Bereichen von Atomanlagen gearbeitet haben und warum der Skandal nicht nur Jülich, sondern Atomanlagen im gesamten Bundesgebiet betrifft.

Du wohnst in der Nähe einer Atomanlage und fragst Dich, ob dort ebenfalls Personen mit gefälschten Sicherheitsunterlagen gearbeitet haben? Frag doch einmal bei der zuständigen Landesatomaufsicht nach; die Adresse findest Du hier.

Wir sammeln Infos zu den Vorfällen und würden uns freuen, wenn Du uns auch das Ergebnis Deiner Nachforschungen mitteilst. Am liebsten per E-Mail an:
info@ausgestrahlt.de.
5. Neu im .ausgestrahlt-Webshop

Endlich da: Tabletten „GundremmingenAkut“

Eine Geduldsprobe lang haben wir auf die Lieferung der GundremmingenAkut-Tabletten gewartet. Jetzt sind sie endlich da: 18 Pfefferminz-Dragees in Jodtabletten-Aufmachung. Natürlich mit Beipackzettel zu den Risiken und Nebenwirkungen des AKW Gundremmingen.
Großen Dank an alle, die gemeinsam mit uns geduldig geblieben sind!

WICHTIG: „GundremmingenAkut“ erhöht die Aufmerksamkeit vor dem Störfall – bei einem Super-GAU helfen die Pillen ebenso wenig wie Jodtabletten.

Passend für unterschiedlich große Geldbeutel: „GundremmingenAkut“-Tabletten zum ermäßigten Preis (1 Euro), zum normalen Preis (1,50 Euro) oder zum Soli-Preis (2 Euro).
Neu: Bernward Janzing:  „Vision für die Tonne“

Bernward Janzing dokumentiert den jahrzehntelangen Widerstand gegen Atomkraft in Mitteleuropa. Auf seiner „Reise“ durch anti-atombewegte Zeiten begegnet er außergewöhnlichen Charakteren, deren Geschichten er in seinem Buch festhält.
Alle neuen Produkte (und viele weitere) findest Du im .ausgestrahlt-Webshop.
6. Blick über den .ausgestrahlt-Tellerrand

Die Umweltorganisation Robin Wood sucht zum 1. Dezember 2017 eine*n Energiereferenten*in. Ausführliche Informationen findest Du in der Stellenausschreibung.

Das Standardwerk zur weltweiten Entwicklung der Atomkraft ist neu erschienen. Die 2017er-Ausgabe des „World Nuclear Industry Status Report“ findest Du hier.

atomstopp: Haftpflicht für AKW, Laufzeitverlängerungen, EURATOM

Presseaussendung von atomstopp_oberoesterreich am 08.09.2017

antiakwsonne

„Zum Wahlkampfauftakt haben wir uns mit ganz konkreten antiatompolitischen Anfragen bei den Kandidat_innnen zur Nationalratswahl 2017 eingestellt – und warten nun gespannt auf die Ausführungen!“, so Gabriele Schweiger und Roland Egger, Sprecher von atomstopp_oberoesterreich.

„Eine Antiatompolitik, die diesen Namen auch verdient, sind uns ja so gut wie alle Regierungen der letzten Jahre schuldig geblieben. Wir wollen wissen, wer von den antretenden Parteien endlich mal mehr Biss hat und echte Ambitionen, über ein weitgehend schläfriges Sich-Räkeln auf einem ererbten fraktionsübergreifenden Antiatomkonsens hinaus zu agieren! Zu machen gäbe es viel: Neben der immer noch fehlenden Haftpflicht für AKW-Betreiber und den drohenden Laufzeitverlängerungen rund um Österreich steht für uns vor allem EURATOM und Österreichs Mitgliedschaft dabei zur Debatte!“, heben Schweiger und Egger die wichtigsten Punkte hervor.

„Einige Fraktionen haben bereits rückgemeldet, in den nächsten Tagen Stellung nehmen zu wollen. Wir freuen uns darauf, alle Antworten – aber auch allfällige Antwortverweigerungen! – noch rechtzeitig vor der Wahl in unserer neuesten Ausgabe von ‚atomstopp’ aufbereiten und in einer Auflage von rund 15.000 Stk an den Kreis unserer Unterstützer_innen versenden zu dürfen! Wir sind sicher, dass wir damit beitragen, einen klärenden Blick auf die österreichische Antiatompolitik der Zukunft zu werfen!“, so Schweiger und Egger abschließend.

BBU: Minister Wenzel soll AKW Lingen 2 „das Wasser abgraben“.

BBU-Pressemitteilung
08.09.2017

bbu

Dienstag (12.9.2017) erster Erörterungstermin: Minister Wenzel soll AKW
Lingen 2 „das Wasser abgraben“.
Samstag (9.9.2017) Demonstration in Lingen

(Bonn, Lingen, 08.09.2017) Der Bundesverband Bürgerinitiativen
Umweltschutz (BBU) weist darauf hin, dass das Atomkraftwerk Emsland (AKW
Lingen 2) für seinen Weiterbetrieb neue wasserrechtliche Genehmigungen
benötigt. Privatpersonen, Bürgerinitiativen und auch der BBU haben
allerdings gegen die Erteilung neuer Genehmigungen Einsprüche erhoben.
Diese sollen nun im September bei zwei Erörterungsterminen in Lingen
erörtert werden. BBU-Vorstandsmitglied Udo Buchholz fordert, dass der
niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel die wasserrechtlichen
Genehmigungsverfahren zur Chefsache macht und dafür Sorge trägt, dass
dem Weiterbetrieb des AKW quasi „das Wasser abgegraben wird“. Am Samstag
(9.9.) findet in Lingen eine Anti-Atomkraft-Demonstration statt, die um
13 Uhr am Bahnhof Lingen beginnt.

Die bisherigen wasserrechtlichen Genehmigungen für den Betrieb des AKW
Lingen 2 laufen in wenigen Monaten aus, während das AKW nach den
offiziellen Plänen noch bis Ende 2022 am Netz bleiben soll. In den
Genehmigungen ist die bisherige Wasserentnahme aus dem
Dortmund-Ems-Kanal sowie aus dem Speicherbecken bei Geeste für den
Betrieb des AKW Lingen 2 geregelt. „Die noch amtierende rot-grüne
Landesregierung soll den Weiterbetrieb des AKW Lingen 2 über das
Wasserrecht ausbremsen“, fordert BBU-Vorstandsmitglied Buchholz.

Die Erörterungstermine beginnen am 12. September bzw. am 18. September
jeweils um 10 Uhr in der Halle IV in Lingen, Kaiserstraße 10 a. Bei
Bedarf werden sie an den Folgetagen fortgesetzt, also am 13. bzw. am 19.
September. Die Termine sind nicht öffentlich, es können nur Personen
teilnehmen, die Einsprüche oder Stellungnahmen bei der zuständigen
Genehmigungsbehörde eingereicht haben; zuständig ist der
Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und
Naturschutz. Der BBU weist aber darauf hin, dass eine Teilnahme auch mit
Vollmachten ermöglicht werden kann. Wer sich von dem AKW Lingen 2 und
von den Auswirkungen der wasserrechtlichen Genehmigungen betroffen
fühlt, kann sich zum Informationsaustausch bei BBU-Vorstandsmitglied Udo
Buchholz unter 02562-23125 oder udo.buchholz@bbu-bonn.de, sowie beim BBU in der Geschäftsstelle
unter 0228-214032 melden.

Morgen (9.9.) Demonstration in Lingen

Der Atomstandort Lingen ist insgesamt heftig umstritten. Dabei steht
ebenso wie das AKW Lingen 2 die Lingener Brennelementefabrik im
Mittelpunkt der Auseinandersetzungen. In dieser Fabrik werden Brennstäbe
produziert, die in zahlreichen Atomkraftwerken, so auch in Belgien, zum
Einsatz kommen. Bürgerinitiativen und Umweltverbände wie der BBU fordern
die sofortige Stilllegung dieser Anlagen und den sofortigen Exportstopp
der in Lingen produzierten Brennstäbe. Zur Teilnahme an der
Demonstration in Lingen, die am Samstag (9.9.) um 13 Uhr am Lingener
Bahnhof beginnt, rufen zahlreiche Organisationen auf. Ausführliche
Informationen dazu unter http://www.lingen-demo.de <http://www.lingen-demo.de&gt;
sowie unter http://bbu-online.de/Presse.htm.

Hintergrundinformationen zu den bevorstehenden Erörterungsterminen in
Lingen:

12.9. / ggf. auch noch 13.9.:
http://www.nlwkn.niedersachsen.de/startseite/wasserwirtschaft/zulassungsverfahren/abwasser_und_einleitungen/kernkraftwerk_emsland_kke/wasserrechtliche-bewilligung-zur-entnahme-von-wasser-aus-dem-dek-fuer-das-kke-151162.html

18.9. / ggf. auch 19.9.:
https://www.nlwkn.niedersachsen.de/startseite/wasserwirtschaft/zulassungsverfahren/abwasser_und_einleitungen/kernkraftwerk_emsland_kke/speicherbecken_geeste_sbg/entnahme-von-wasser-aus-dem-dortmund-ems-kanal-bei-kanal-km-154218-fuer-das-speicherbecken-geeste-151839.html