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Pressemitteilung: Verzicht auf Atomtransporte im Hamburger Hafen? Vor allem heiße Luft!

+ + + Pressemitteilung von ContrAtom und ROBIN WOOD v. 12.4.2018 + + +

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Verzicht auf Atomtransporte im Hamburger Hafen? Vor allem heiße Luft!

Der freiwillige Verzicht umfasst nur einen Bruchteil der Transporte radioaktiver Stoffe im Hamburger Hafen

 

Der angekündigte Verzicht der Unternehmen HHLA und Hapag-Lloyd auf den Umschlag von Kernbrennstoffen in Hamburg ist ein kleines Zugeständnis, aber noch lange kein Durchbruch in der Auseinandersetzung um die Sperrung des Hafens für sämtliche Atomtransporte. Das stellen ContrAtom und ROBIN WOOD fest, die sich seit Jahren im Bündnis „Atomtransporte durch Hamburg stoppen!“ engagieren.

 

Medien brachten gestern Schlagzeilen wie „Atomtransporte im Hafen stehen vor dem Aus“ (Hamburger Abendblatt) oder „Hafenunternehmen verzichten auf Atomumschlag“ (NDR). In den Artikeln wurde berichtet, dass die Reederei Hapag-Lloyd und die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) künftig freiwillig auf den Umschlag von Kernbrennstoffen verzichten. Hamburger Atomkraftgegner*innen weisen darauf hin: Die Erfolgsmeldung ist nicht so groß, wie sie sich anhört. Praktisch machen die Transporte, auf die jetzt freiwillig verzichtet werden soll, nur etwa zehn Prozent der durch Hamburg beförderten radioaktiven Stoffe aus.

 

Im Jahre 2017 wären das 12 von 119 Transporten gewesen, bezogen auf das Gewicht sogar noch weniger. Die Zahlen beruhen auf Recherchen der Hamburger Systemoppositionellen Atomkraft Nein Danke-Gruppe.

 

Zum einen umfasst der Verzicht nur Kernbrennstoffe laut Atomgesetz, das heißt Stoffe, die spaltbar sind, insbesondere Uranprodukte erst nach dem Anreicherungsprozess. Nicht verzichtet wird also auf den Umschlag von Uranerzkonzentrat und nicht angereichertem Uranhexafluorid, beides sind Zwischenprodukte auf dem Weg zur Produktion von Brennelementen für Atomkraftwerke.

 

Hapag-Lloyd  beförderte 2017 etwa 3.000 Tonnen (Bruttomasse) nicht angereichertes Uranhexafluorid in 12 Transporten, aber kein einziges Mal Kernbrennstoffe. Alle Atomtransporte durch Hapag-Lloyd werden also weiter gehen, vielleicht sogar zunehmen. Vor dem Amtsantritt des rot-grünen Senats 2015 wurden durch Hapag-Lloyd nur knapp 1.000 Tonnen Uranhexafluorid über Hamburg transportiert. Versorgt wird mit dem Uranhexafluorid vor allem die Urananreicherungsanlage in Gronau, die eine unbefristete Betriebsgenehmigung hat und weiterhin Uran für alle Welt anreichern darf.

 

Auch der Verzicht der HHLA bedeutet lange nicht das Aus der Atomtransporte in Hamburg, auch wenn dieser durchaus ein Anfang ist. Viele der über das HHLA-Terminal Altenwerder abgewickelten Atomtransporte werden weiter gehen, weil es sich dort vorwiegend um nicht angereicherte radioaktive Stoffe handelt, insbesondere um das – auch chemisch extrem gefährliche – Uranhexafluorid und um Uranerzkonzentrat. Beide Stoffe dienen dem unverantwortlichen Weiterbetrieb von Atomkraftwerken. Tritt bei Unfällen Uranhexafuorid aus, bildet es zusammen mit Luftfeuchtigkeit Flusssäure, die zu tödlichen Verätzungen führen kann. Der Abbau von Uran verursacht enorme ökologische Schäden und Menschenrechtsverletzungen.

 

„Dass zwei Hafenbetriebe nach vielen Protestaktionen endlich auf den Umschlag eines Teils der radioaktiven Stoffe verzichten, ist ein längst überfälliger Schritt, der bei weitem nicht ausreicht. Der Hamburger Hafen bleibt so weiterhin eine zentrale Drehscheibe für das riskante Geschäft der Atomindustrie weltweit. Ziel muss es sein, dass HHLA, Hapapg-Lloyd und alle weiteren im Hafen tätigen Unternehmen sämtliche Atomtransporte einstellen. Wenn dies nicht freiwillig geschieht, ist eine gesetzliche Regelung nötig“, sagt Ronja Heise, Energiereferentin bei ROBIN WOOD.

 

Irene Thesing von ContrAtom ergänzt: „Viel herausgekommen ist bei dem freiwilligen Verzicht nicht. Im Hafen wird weiter Profit vor dem Schutz der Gesundheit der Menschen hier oder beim Uranabbau gehen – geschützt durch den Senat mit kleinen Happen zur Beruhigung der Bevölkerung. Deshalb bleiben auch weiter entschlossene Aktionen gegen die verbliebenen Transporte notwendig.“

 

Atomkraftgegner*innen stehen für ihre Aktionen gegen die Transporte immer wieder vor Gericht. Der nächste Prozesstermin ist am 25. April um 9:00 Uhr vor dem Amtsgericht Hamburg-Harburg wegen einer Abseilaktion gegen einen Urantransport aus der Firma C. Steinweg – die bisher keinerlei Verzicht ankündigte.

 

Kontakt:

ContrAtom: Irene Thesing, Tel. 0151 / 59 23 93 49 ROBIN WOOD: Ronja Heise, 040 / 380 89 2 21, energie@robinwood.de und Ute Bertrand, Tel. 040 / 380 892 22, presse@robinwood.de

 

Mehr Informationen:

Infos der Kampagne „Atomtransporte durch Hamburg stoppen“ http://www.atomtransporte-hamburg-stoppen.de/

 

Detaillierte Auswertungen zu den Transporten durch Hamburg von der Systemoppositionellen Atomkraft Nein Danke Gruppe (SAND) auf Basis kleiner Anfragen an den Hamburger Senat (von den Linken), daraus ergeben sich auch alle genannten Zahlen:

https://sand.blackblogs.org/dokumente/auswertungen/

 

Infos zu Atomtransporten und Protestaktionen:

https://urantransport.de/

https://www.robinwood.de/kampagnen/atomtransporte-stoppen

http://www.contratom.de/

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Hapag-Lloyd setzt weiter auf Atomtransporte Anti-Atom-Aktivistin weiter in Hamburg vor Gericht

Pressemitteilung ContrAtom

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Die gestrige Hauptversammlung von Hapag-Lloyd hat unter anderem gezeigt, dass die fünftgrößte Containerreederei mit Sitz in Hamburg unverändert weiter auf Atomtransporte setzt. Auf den Redebeitrag einer Aktivstin, die als Aktionärin dort war, gab es zwar Applaus, aber keine Regungen, radioaktive Stoffe für die industrielle Verarbeitung grundsätzlich auf die schwarze Liste der nicht transportierten Stoffe zu setzen.

 

In einem Redebeitrag bei der Hauptversammlung der Hapag-Lloyd führte die ContrAtom-Aktivistin Irene ihre Kritik an den von Hapag-Lloyd beförderten radioaktiven Stoffen aus: „Über den Hamburger Hafen wird alle 3 Tage ein Atomtransport umgeschlagen, auch Hapag-Lloyd ist an diesen Transporten beteiligt. Regelmäßig wird von den Schiffen Montreal Express, Osaka Express, Quebec Express und Toronto Express Uranhexafluorid aus Kanada nach Hamburg verfrachtet. 2014 waren das 1000 Tonnne, 2015 fast 2000 Tonnen und 2016 schon mehr als 4000 Tonnen Uranhexafluorid, die allein von Hapag-Lloyd nach Hamburg befördert wurden. […] Das Uranhexafluorid ist bestimmt für die Urananreicherungsanlage in Gronau. Die reichert Uran für AKW in aller Welt an und ist vom sogenannten Atomausstiegsbeschluss nicht betroffen, darf also unbefristet Brennstoff produzieren und die Umwelt mit Atommüll belasten. Daneben kann die Anlage Uran für Atombomben anreichern, eine Machtoption, die Hapag-Lloyd durch die Durchführung der Transporte stützt.“

 

Während Hapag-Lloyd im Geschäftsjahr 2016 mit den radioaktiven Stoffen einen Umsatz von 4,8 Millionen US-Dollar machte, wird die Aktivistin vorm Amtsgericht Hamburg-Harburg weiter angeklagt, weil ihr vorgeworfen wird, bei einer Ankettaktion eine Person mit Lebensmitteln versorgt zu haben. Die Repression gegenüber Ankettaktionen soll offenbar verstärkt werden. Nachdem im Dezember ein Urteil des Münsteraner Landgerichts über 110 Tagessätze für eine Ankettaktion (ohne Vorstrafe) rechtskräftig wurde und eine der dort verurteilten Personen nun einen Teil der Geldstrafe absitzt, momentan gegen Castor-Blockierende in Stralsund vorm Landgericht verhandelt wird, wird auch in Hamburg im vierten Verhandlungstag gegen eine Unterstützungsperson bei einer solchen Aktion vorgegangen. Der Prozess geht am Mi, 31.5. um 9 Uhr im Amtsgericht Hamburg-Harburg weiter. Irene kommentiert: „Trotz Prozess und Inhaftierung einer Freundin zeigt auch gerade die gestrige Hapag-Lloyd-Hauptversammlung wie wichtig unser Widerstand bleibt. Atomtransporte schaffen sich nicht von alleine ab!“

 

Weitere Informationen:

http://urantransport.de (zu Urantransporten) http://nirgendwo.info (zu Repression gegen Atomkraftgegner*innen)

Fukushima-Jahrestag: Wir schließen das AKW Brokdorf

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Heute früh haben Aktivist*innen von ContrAtom, Robin Wood und der BI Kiel gegen Atomanlagen die Schließung des Atomkraftwerks Brokdorf selbst in die Hand genommen und verhindern die Arbeiten zum Wiederanfahren des Reaktors. Seit den frühen Morgenstunden sind die beiden Einfahrten des AKW nicht mehr passierbar. Die Aktivist*innen fordern anlässlich des Fukushima-Jahrestages die sofortige Schließung aller Atomanlagen weltweit. In den letzten Wochen war während der Revision des AKW Brokdorf herausgekommen, dass die Brennelemente außergewöhnlich starke Oxidschichten gebildet hatten. Daran wird wieder einmal deutlich, dass niemand die Prozesse im Reaktor auch nur nachvollziehen kann – auch vor diesem Hintergrund ist es ein Skandal, die Abschaltung des von PreussenElektra (vormals E.ON Kernkraft GmbH)  betriebenen Kraftwerks auf 2021 zu datieren. Von Atomausstieg kann nicht die Rede sein, wenn das AKW durch den sogenannten Normalbetrieb Tag für Tag die Umwelt radioaktiv verseucht, bis 2021 weiter Atommüll produziert und die dauernde Gefahr eines Unfalls mit unbeherrschbarer Freisetzung radioaktiver Stoffe besteht.

 

Die Tore werden mit einem Dreibein, auf dem sich ein Mensch befindet, und zwei Betonfässsern, an denen Menschen angekettet sind, versperrt. „Wer von Atomausstieg spricht, darf diesen nicht irgendwann in die Zukunft verlegen. Atomanlagen sind jeden einzelnen Tag gefährlich und können jederzeit zu einem Desaster wie in Fukushima oder Tschernobyl führen. Jetzt hat sich wieder gezeigt, dass auch das AKW Brokdorf nicht kontrolliert werden kann“, sagt Aktivistin Marita.

 

Am 11. März 2011 kam es in Fukushima zu einer der größten Atomkatastrophen. Infolge eines Erdbebens und Tsunamis kam es in drei Reaktoren zu einer Kernschmelze, und es traten enorme Mengen radioaktiver Strahlung aus. Menschen, Natur und Umwelt wurden verstrahlt. Vor Kurzem wurden in Fukushima die höchsten je gemessenen Strahlungswerte festgestellt. Die Folgen des Super-GAUs werden die Menschen in der Region noch Jahrtausende zu spüren bekommen. Das Desaster nimmt kein Ende. Die Katastrophe bestätigte, was viele Menschen bereits wussten: Es kann kein sicheres Atomkraftwerk geben!

 

Mit ihrer Aktion wollen die Aktivist*innen auch auf die anstehenden Demonstrationen zum Fukushima-Jahrestag, zum Beispiel in Hamburg aufmerksam machen. Am Jahrestag des Super-GAUs von Fukushima wollen viele Menschen ihren Unmut über die weltweite Atompolitik auf die Straße tragen und sich für eine endgültige Abschaltung aller Atomanlagen weltweit und sofort einsetzen. Die Demonstration in Hamburg beginnt am Samstag um 14 Uhr an der Elbpromenade (U-Bahn Baumwall).

 

PreussenElektra (vormals E.ON Kernkraft GmbH) produziert weiterhin hochradioaktiven Müll, ohne eine Lösung für das Problem zu haben. Der radioaktive Müll wird nur zwischen verschiedenen Standorten hin und her gefahren. Diese Scheinlösung ist keine Lösung.

 

Die Aktivist*innen verstehen sich als Sand im Getriebe der Atomspirale und setzen überall dort an, wo die Atomindustrie verstrahlt, verarbeitet oder transportiert. Dieses Jahr sollen wieder Castoren Atommüll von Obrigheim nach Neckarwestheim bringen und in den kommenden Jahren sollen nach dem  Willen der Regierung Castoren aus Sellafield nach Brokdorf transportiert werden.„Am Tag X werden wir auch an die Strecke kommen und uns dem Castor in den Weg stellen“, erklären beteiligte Aktivist*innen.