Schlagwort: Urenco

Landeskonferenz der nordrhein-westfälischen Antiatom-Initiativen tagte in Duisburg

Pressemitteilung
Duisburg, 22.11.2017

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In Duisburg trafen sich VertreterInnen der nordrhein-westfälischen
Antiatom-Initiativen, der bundesweit tätigen Organisation .ausgestrahlt
und des Bundesverbandes der Bürgerinitiativen Umweltschutz zu ihrer
Herbstkonferenz. Die AtomkraftgegnerInnen bewerteten atompolitische
Fragen unter den Vorzeichen einer neuen Landesregierung in NRW und der
anstehenden Koalitionsverhandlung in Berlin. Sie bekräftigten ihre
Forderung nach einem vollständigen und sofortigen Atomausstieg und
wiesen auf die ungelöste Frage der Entsorgung des Atommülls hin. Zudem
legten die Initiativen ihre Aktionsschwerpunkte für das kommende Jahr fest.

Die AtomkraftgegnerInnen betonten, dass trotz Stilllegungsbeschluss für
die deutschen Atomkraftwerke bis zum Jahr 2022 keine Rede von einem
Atomausstieg sein kann. Mit dem Weiterbetrieb der
Urananreicherungsanlage in Gronau, der Brennelementeproduktion in Lingen
und von Atomforschungszentren wie beispielsweise in Karlsruhe ist der
Atomausstieg nur halbherzig erreicht. Insbesondere die Belieferung der
belgischen Pannenreaktoren Tihange und Doel, sowie überalterter
Atomreaktoren in Frankreich mit Brennelementen aus deutscher Produktion,
stellt dabei eine direkte Gefährdung der Bundesrepublik dar. Diese
widerspricht ebenso wie die damit verbundenen Transporte dem Anspruch
und dem Ziel eines Atomausstiegs. Zudem werden die besonderen
Atom-Probleme in NRW im Koalitionsvertrag ausgeblendet. Man hat nur
Belgien im Blick, damit dort die gefährlichen Atomkraftwerke
abgeschaltet werden.

Die Konferenz beschäftigte sich darüber hinaus mit der nach wie vor
ungelösten Frage der Entsorgung aller Arten von Atommüll. Ausdrücklich
bezog man hier auch die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle ein, von
denen beim Abriss der Atommeiler riesige Mengen anfallen werden. Für
diese gibt es ebenso wenig eine Entsorgungsmöglichkeit, wie für die
hochradioaktiven Abfälle. Gerade hier stoßen die Planungen, den hoch
angereicherten und damit waffenfähigen Atommüll aus dem
Forschungsreaktor in Garching nach Ahaus transportieren, auf besondere
Kritik. Die Konferenzteilnehmer fordern, diesen vor Ort zu belassen und
nicht nach Ahaus zu transportieren.

Felix Ruwe von der Bürgerinitiative „Kein Atommüll nach Ahaus“ zur Frage
der Zwischenlagerung: „Sämtliche Konzepte zur Entsorgung und
Zwischenlagerung sind gescheitert, nicht zuletzt, weil sie nicht mit der
Zeit gehen und neue Risiken wie beispielsweise Terrorgefahren
unberücksichtigt lassen. Wir haben bereits heute massive Probleme vor
allem mit sicherheitstechnisch unzureichenden Lagerhallen. Auch das
ständig steigende Risiko überalterter Castoren zeigt die
Konzeptlosigkeit der Verantwortlichen. Die müssen die weitere
Aufbewahrung des Atommülls regeln, dabei die Sicherheit kontinuierlich
nach neuesten Stand von Wissenschaft und Technik verbessern.“

Die VertreterInnen der Antiatom-Initiativen fordern deshalb von den
VerursacherInnen und politisch Verantwortlichen in Berlin und
Düsseldorf, verantwortungsvolle Lagerkonzepte. Zudem müssen sämtliche
Atomanlagen sofort geschlossen werden, um weiteren Atommüll zu vermeiden.

Entsprechend dieser Forderungen legten die Antiatom-Initiativen ihre
Aktionsplanung für das kommende Jahr fest. Für Jülich, wo derzeit 152
Castoren nach Auslaufen der Genehmigung im Jahr 2013 nur mit Duldung
gelagert werden, fordern sie den Bau eines neuen Lagers. Auch die
Urananreicherung in Gronau wird Schwerpunkt sein. Hier wird am
Karfreitag der Auftakt der Ostermärsche Rhein /Ruhr stattfinden, um die
Verbindung von sogenannter „ziviler“ und militärischer Nutzung der
Atomkraft aufzuzeigen.

In Lingen wird es am 16.Juni eine überregionale Demonstration gegen das
AKW Lingen II, das 30 Jahre alt wird, und die Brennelementefabrik von
Areva geben.

Zudem werden zahlreiche Transporte, die im Zusammenhang mit der
Urananreicherung stehen, bundesweit von Protesten begleitet werden.

Weitere Informationen unter
http://www.antiatom-buendnis-niederrhein.de, http://westcastor.blogsport.de,
http://www.bi-ahaus.de, https://sofa-ms.de, http://www.bbu-online.de

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Atomabkommen mit Belgien ist „Augenwischerei“

bbu
– „Ministerin Hendricks muss Uranlieferungen aus Deutschland stoppen“
– Urananreicherung Gronau und Brennelementefabrik Lingen betroffen

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) und mehrere Anti-Atomkraft-Initiativen aus dem Münsterland und dem westlichen Niedersachsen kritisieren das heutige Atomabkommen zwischen Bundesumweltministerin Hendricks und der belgischen Atomaufsicht. Sie halten das Abkommen für Augenwischerei, weil es selbst nach dem Eingeständnis der Ministerin keine erhöhte Sicherheit bringt.

Stattdessen fordern der BBU und die Anti-Atomkraft-Initiativen von Ministerin Hendricks, umgehend ihre eigene Beteiligung am Betrieb der belgischen Schrottreaktoren Tihange und Doel einzustellen: So werden noch immer angereichertes Uran aus NRW sowie Brennelemente aus Niedersachsen nach Belgien geliefert und sind dort erheblich für den Weiterbetrieb der AKWs mitverantwortlich. Der französische Atomkonzern Areva liefert aus Lingen mit Billigung des Bundesumweltministeriums Brennelemente für die belgischen Atommeiler Doel 1–3. Nach der aktuellen Transportliste des Bundesamtes für Strahlenschutz fanden die jüngsten Brennelementlieferungen von Lingen nach Doel gerade erst vor wenigen Tagen am 2., 7. und 12. Dezember statt (www.bfs.de)!

Aus dem westfälischen Gronau beliefert zudem der Urananreicherer Urenco nach eigenen Angaben den belgischen AKW-Betreiber Electrabel mit angereichertem Uran zur Brennelementefertigung. Auch dafür gibt es Ausfuhrgenehmigungen, die vom Bundesumweltministerium abgesegnet werden.

„Anstatt äußerst schwache Atomabkommen mit Belgien abzuschließen, sollte Bundesumweltministerin Hendricks endlich die eigenen Hausaufgaben  erledigen. Die Bundesregierung ist durch die Brennelementlieferungen aus Lingen sowie den Export von angereichertem Uran aus Gronau tief in den Betrieb der Schrottreaktoren Doel und Tihange verstrickt und ist damit für Störfälle dort mitverantwortlich. Die Ministerin muss deshalb die Uranbrennstofflieferungen aus Lingen und Gronau sofort einstellen. Es kann nicht sein, dass mehrere der belgischen Pannenreaktoren mit Uranbrennstoff aus Deutschland betrieben werden,“ forderte Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

Weitere Informationen:

www.bbu-online.de, www.sofa-ms.de, www.stop-tihange.org

Urananreicherungsanlage Gronau: Stilllegungsbeschluss umsetzen!

Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen

Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau

Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)

 

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Gronau/Münster/Bonn, 23. Juni 2016

 

Bundesregierung zu Urananreicherung in Gronau:

  • Export von angereichertem Uran nach Belgien bestätigt
  • 2016 Inbetriebnahme neues Atommülllager in Gronau
  • Uran-Freilager in Gronau so voll wie noch nie
  • Urenco-Verkauf und Börsengang noch nicht vom Tisch

 

Das Bundeswirtschaftsministerium hat über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle noch am 27. Januar 2016 für den Gronauer Urananreicherer Urenco einen Export von angereichertem Uran an die belgische Atomfirma Synatom – Tochter des belgischen AKW-Betreibers Electrabel – gebilligt. Zum selben Zeitpunkt kritisierte Bundesumweltministerin Hendricks bereits seit Wochen scharf den Weiterbetrieb der belgischen Pannenreaktoren. Doch die Bundesregierung hat in den letzten fünf Jahren nicht eine einzige Exportgenehmigung für angereichertes Uran versagt. Das geht aus einer jetzt bekannt gewordenen Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor (Bundestags-Drucksache 18/8582, s. Anhang).

„Wenn man bedenkt, dass auch die Urenco-Kunden Westinghouse, Enusa sowie Areva in Lingen für die belgischen Schrottreaktoren Brennelemente liefern, ist es absolut unverständlich, warum die Bundesregierung diese Uranexporte nach Belgien nicht stoppt. Ist die Kritik von Ministerin Hendricks nur Fassade, um die Öffentlichkeit zu beruhigen? Dabei ist der Urenco-Konzern bereits erheblich vorbelastet, da Urenco auch schon den Fukushima-Betreiber Tepco beliefert hat. Hier müssen und können die Bundesregierung und die NRW-Landesregierung dringend etwas ändern,“ so Udo Buchholz vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU).

 

Uranlagerung in Gronau immer umfangreicher

Auch die weiteren Antworten der Bundesregierung fallen nicht beruhigend aus. So bestätigt die Bundesregierung, dass Urenco in Gronau noch in diesem Jahr das neue Atommülllager für 60 000 Tonnen Uranoxid in Betrieb nehmen möchte. Die Lagerhalle ist nicht gegen Flugzeugabstürze gesichert und eine langfristige Entsorgung ist nicht in Sicht.

Alarmiert sind die Münsterländer Anti-Atomkraft-Initiativen sowie der BBU zudem, weil mit rund 27 000 t Uranhexafluorid soviel Uran unter freiem Himmel in Gronau lagert wie noch nie. 2014 waren es laut einer damaligen Antwort der Bundesregierung noch 19 000 t gewesen (Bundestags-Drucksache 18/1726). Es handelt sich also in nur zwei Jahren um einen Anstieg von mehr als 40%!

Auch ein Verkauf der Urenco-Anteile durch die Niederlande, Großbritannien sowie RWE und EON ist laut Bundesregierung noch nicht vom Tisch. Selbst ein Börsengang scheint weiterhin denkbar. Anti-Atomkraft-Initiativen protestieren schon seit Längerem gegen die unverantwortlichen Verkaufspläne für die militärisch äußerst sensible Urananreicherung.

 

„Stilllegungsbeschluss der Umweltminister umsetzen“

Angesichts der Tatsache, dass Urenco angereichertes Uran sogar für ausgewiesene Schrottreaktoren produziert, und dass sich die Lagerung und Entsorgung der immer größeren Uranberge in Gronau als unlösbares Problem erweisen, muss die Bundesregierung nun unverzüglich den Beschluss der Umweltministerkonferenz zur Stilllegung der Urananreicherungsanlage in Gronau umsetzen. „Die Urananreicherung in Deutschland ist am Ende und lässt sich nicht länger rechtfertigen. Die Bundesregierung, aber auch die NRW-Landesregierung, dürfen die Stilllegung nicht erneut auf die lange Bank schieben,“ so Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen.

 

 

Weitere Informationen:

www.bbu-online.de, www.sofa-ms.de, www.urantransport.de